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7 Gründe für ein erhöhtes Inflationsrisiko

Inflation ist für die Altersversorgung von Unternehmern und deren Familien ein entscheidender Faktor, denn im Gegensatz zur gesetzlichen oder betrieblichen Altersversorgung von Arbeitnehmern erfolgen hier keine automatischen Anpassungen.

Der Inflationsausgleich kann somit einzig und allein durch eine erhöhte Sparleistung (nur vor Rentenbeginn möglich) oder Kapitalerträge mindestens in Höhe der Inflation erfolgen.

Während die offizielle Inflation in den letzten 20 Jahren mit rund 1,5% p.a. noch als moderat einzuschätzen ist, könnte sich das bereits relativ zeitnah deutlich ändern - und dafür gibt es eine Vielzahl an Gründen.

So zum Beispiel die Corona-Pandemie. Allerdings handelt es sich hierbei bei Weitem nicht um den einzigen Grund, denn es gibt mindestens einen weiteren, der die Pandemie in Bezug auf das steigende Inflationsrisiko sogar noch übertrifft - aber der Reihe nach...

Übrigens: Hier geht es ausdrücklich nicht um Hyperinflation (also das Konzept der Schubkarre voll Banknoten für einen Laib Brot), sondern lediglich um Inflationsraten von 3 - 6%, die in den 80er und 90er Jahren keineswegs ungewöhnlich waren und in den 70er Jahren sogar die Regel. 

 

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1. Billionen für Konjunkturprogramme

Um die Corona-Folgen für die Wirtschaft zu mildern, wurden auf weltweiter Ebene gigantische Hilfsprogramme aufgelegt. Hier den genauen Überblick zu behalten, ist zwar kaum möglich, aber allein schon die Dimensionen sind erschreckend.

Allein Japan hat ein Hilfsprogramm mit 1,7 Billionen € aufgelegt, die USA stellen gerade (Februar 2021) ein Konjunkturprogramm von 1,9 Billionen US $ auf die Beine - nach 2,2 Billionen US $ im März und 740 Mrd. US $ gegen Ende 2020. Das Programm der EU aus Anleiheaufkäufen und direkten Hilfen umfasst 1,8 Billionen € und die Kosten für Deutschland für direkte Hilfen und Garantien können bis zu 1,3 Billionen € betragen.  Und das bildet lediglich die Stände bis Februar 2021 ab - exklusive der Hilfsprogramme aller anderen Länder wie China, Brasilien, Kanada, ...!

Zum Vergleich: Die Bankenrettung von 2008 hat Deutschland gerade einmal 60 Mrd. € gekostet.

All diesen Programmen steht unterm Strich keine höhere Wirtschaftsleistung oder ein anderer Wert gegenüber!

2. Kostenexplosion in den Sozialsystemen

In Deutschland waren im Januar 2021 rund 475.000 Menschen mehr arbeitslos, als noch im Januar 2020. Hinzu kommen noch rund 750.000 Menschen in Kurzarbeit und viele Soloselbständige, Künstler, etc., die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Kurzarbeitergeld haben, sondern Sozialhilfe beziehen oder beantragen müssen.

Wie viele Unternehmen nach dem Ende der Aussetzung der Insolvenzanmeldepflicht in Konkurs gehen werden, wie viele Entlassungen es bei Fluggesellschaften und Reiseunternehmen durch dauerhafte Umsatzeinbrüche auch nach dem "Ende" der Pandemie geben wird, wie stark sich die versäumten Entwicklungen bei der E-Mobilität bei Automobilkonzernen und deren Zulieferern im Verlust von Arbeitsplätzen niederschlagen werden - all dies wird sich nur schrittweise zeigen!

Fakt ist, dass die Kosten für Sozialausgaben weltweit zumindest kurz- bis mittelfristig deutlich steigen werden. Sollte sich die Konjunktur nicht (wie erhofft) erholen, kann dies auch deutlich länger der Fall sein. Diese Kosten kommen zu den Konjunkturprogrammen also noch dazu.

3. Staatsverschuldung

Die Rückzahlung all dieser Kredite bedürfte deutlich steigender Steuereinnahmen.

Allerdings reichten diese in den meisten Industrie- und Schwellenländern bereits vor der Pandemie - also als die Wirtschaft noch auf Hochtouren lief - nicht aus, um die "normalen" Staatsausgaben zu finanzieren. Es wurden also Schulden gemacht.

Mit der Krise sind diese Einnahmen dann noch einmal massiv eingebrochen, so in Deutschland alleine bei Bund- und Ländern um etwa -53 Mrd. € in 2020. Das sind rund 7,3% aller Steuereinnahmen.

Das bedeutet: Für die Tilgung der ganzen Schulden steht definitiv nicht genug Geld zur Verfügung und es ist auch nicht möglich, dies in absehbarer Zeit durch Steuererhöhungen zu ändern. Denn - verkürzt gesagt - Steuererhöhungen für Unternehmen treiben diese oft ins Ausland und Steuererhöhungen bei der Lohn- und Einkommenssteuer binden den Konsum ab. Beides verschlechtert die Lage weiter.

Damit bleibt als Lösung nur eine erhöhte Inflation, und die EZB hat bereits angekündigt, dass sie diese "vorübergehend" auch in Kauf nehmen werde.

Zur Einordnung sollte man wissen, dass die EZB bereits die Negativzinsen für Sparanlagen zu verantworten hat - vordergründig, um die Wirtschaft anzukurbeln, aber eben auch mit dem schönen Nebeneffekt, dass sich die Euroländer weiter billig verschulden können, statt harte Reformen (z.B. an Sozialsystemen) vornehmen zu müssen.

Von einem harten "Geldwertverteidiger", wie es die Bundesbank einst war, hat sich die EZB damit eher in einen Wirtschaftsförderer und Staatenfinanzier gewandelt.

4. Vertrauensverlust

Hierbei handelt es sich um das größte Risiko für jede Währung. Dass derzeit (3/2021) noch relativ wenig von einer steigenden Inflation zu spüren ist, liegt vor allem daran, dass die Menschen derzeit ihr Geld horten - es ist also ungefährlich, weil es nicht im Umlauf ist.

So etwas kann sich jedoch schnell gravierend ändern.

Hier ein Beispiel: Wenn die Inflation auf 2% steigt und überall Strafzinsen gezahlt werden müssen, entschließt sich ein kleiner Teil der Sparer, sein Geld lieber auszugeben. Das erhöht die Inflation jedoch auf 3%, woraufhin sich ein weiterer Teil der Sparer denkt, ihr Geld sei besser investiert, wenn sie es ausgeben, und so weiter, und so weiter...

Hieraus kann schnell ein Kaskadeneffekt werden, den die EZB nur verteidigen kann, wenn sie ihm bereits zu Beginn massiv entgegentritt. Genau das ist derzeit aber nicht der Fall. 

Übrigens: Es gibt für bereits jetzt Anzeichen für einen stückweisen Vertrauensverlust, denn wir beobachten derzeit eine massive Preisexplosion im Bereich von Immobilien, Gold, Bitcoin & Co. und auch der Aktienmarkt ist zumindest teilweise dadurch getrieben, dass die Menschen ihr Geld vom Konto schaffen wollen.

5. Monopolisierungen

Ein massiver Preis- und damit Inflationstreiber ist fehlender Wettbewerb. Monopole oder Syndikate bei denen einer oder wenige die Preise bestimmen können, müssen also unbedingt verhindert werden.

Das klingt nach "kommunistischem" Eingriff in den Markt? Im Gegenteil: Der erste Konzern, der deshalb in 34 Gesellschaften zerschlagen wurde, war im Jahr 1911 die Standard Oil Company eines gewissen Herren Rockefeller - und zwar durch die Erzkapitalisten USA!

Bereits vor der Pandemie gab es in dieser Hinsicht einige bedenkliche Entwicklungen - exemplarisch die mehrheitlich US-amerikanischen Internetkonzerne (Internetmarketing ohne Google oder Facebook), im Gesundheitsbereich (Krankenhäuser & Medikamente), beim Wasser (Nestle, Coca Cola), dem Handel (Amazon) oder auch dem normalen Lebensmittelhandel in Deutschland mit 4 Dominatoren.

Durch die Pandemie könnte sich das Problem noch zusätzlich verschärfen und sich auf viele weitere Bereiche ausdehnen: Nachdem die Preise in der ersten Phase vermutlich zunächst noch weiter sinken werden, weil Unternehmen versuchen mithilfe von Rabattaktionen zu überleben, werden in der darauffolgenden Phase viele Firmen in Konkurs gehen oder sich mit anderen Unternehmen zusammenschließen (müssen). 

Eine anschließende Preiserhöhung ist ein gern gewählter Weg, um die Verluste der Vergangenheit auszugleichen. Wir erinnern uns alle sicher gern an die Lufthansapreise nach dem Air Berlin Konkurs - auch wenn bei der Lufthansa natürlich nur die Algorithmen Schuld waren, nicht die Lufthansa selbst. ;)

6. Ressourcenverknappung

Kommen wir zum Schluss zu zwei langfristigen und sehr gravierenden Inflationsrisiken. Die Ressourcenverknappung ist das erste dieser Langzeitrisiken.

Zu dem Zeitpunkt, als die Generation, die heute in Rente geht, gerade einmal geboren wurde, lag die Weltbevölkerung bei gerade einmal 2,8 Mrd. Menschen. Mittlerweile sind es hingegen bereits 7,8 Mrd. Menschen, also mehr als 2,5 Mal mehr - und in 30 Jahren werden es voraussichtlich bereits 10 Mrd. Menschen sein!

Alle diese Menschen benötigen natürlich Nahrung, Kleidung, und vieles mehr. Aber nicht nur das.

Während 1955 nur ein geringer Anteil der Weltbevölkerung ein Auto, einen Kühlschrank, eine Waschmaschine oder einen Fernseher besaß, werden diese Güter heute weltweit x-millionenfach produziert und verkauft (von Handys und Computern ganz zu schweigen, sowie der Tatsache, dass der einstige Sonntagsbraten heute normale Wochenküche ist). 

Dazu kommt eine im Jahr 1955 noch völlig unbekannte Wegwerfmentalität: Mode hält nur noch eine Saison, ein Fernseher ist nach nur fünf Jahren technisch überholt, eine Schuhreparatur lohnt nicht mehr, denn der Neukauf ist billiger und Plastiktüten (1955 ebenfalls unbekannt) verseuchen heute großflächig unsere Meere...

Unterm Strich sind jedoch viele der Ressourcen, die für die Produktion dieser Produkte aufgewendet werden müssen, endlich. Und je größer die Nachfrage nach endlichen Ressourcen, desto höher steigt ihr Preis - ergo die Inflation steigt.

Das betrifft sogar so "alltägliche" Dinge, wie Trinkwasser (hier besteht sogar die reale Gefahr von Kriegen, wie zwischen Indien und China) oder Bausand. Klingt nach Unsinn? Schauen Sie sich diese ZDF Doku von 2015 an!

Übrigens: Wenn Sie die Wirkung der Verknappung endlicher Ressourcen selbst erleben wollen, gehen Sie einfach in den nächsten Supermarkt und kaufen Sie eine Stange echte Vanille (diese wächst nur auf Madagaskar) - aber nehmen Sie Ihre Platincard mit...  

7. Umweltkosten

Umweltkosten sind der mit Sicherheit stärkste und nachhaltigste Inflationstreiber. Dabei kann man die Diskussion um den jeweiligen Schuldigen völlig außer Ansatz lassen.

Ob wir Plastiktüten teurer machen, weil wir den Verwender zu einer sachgerechten Entsorgung verpflichten, oder die gesundheitlichen Folgen von Plastikteilchen in unserem Essen bezahlen, oder den Preis von Fisch als Nahrungsmittel nach oben treiben, weil wir dessen Lebensraum vernichtet haben - zahlen werden wir in jedem Fall!

Das ist auch bei allen anderen Umweltthemen der Fall: Wir können Bienen teuer schützen oder mehr für das Obst bezahlen, weil es von Hand bestäubt werden muss. Wir können für die Verhinderung der Klimaerwärmung zahlen oder für Folgeschäden wie die Erhöhung von Küstendeichen, steigende Sturmschäden oder den Verlust von Nutzflächen (bei landwirtschaftlichen Verlusten durch Niederschlagsmangel ist Deutschland übrigens ganz vorn mit dabei).

Unklar ist lediglich, in welcher Form wir die Rechnung im jeweiligen Einzelfall erhalten:

Variante 1 ist die nachträgliche Vergesellschaftung der Kosten.

Hier verhält es sich wie bei der Atomenergie, wo nicht die Nutzer des Atomstroms die Rechnung erhalten, sondern die Gemeinschaft die Kosten in Form von Steuern für die Entsorgung des Atommülls und vermutlich auch für den Rückbau der Kraftwerke tragen darf.

Variante 2 ist die direkte Verteuerung eines Produktes, wodurch die Käufer dessen Umweltkosten tragen.

Dies geschieht z.B. durch die CO2-Steuer, die sich in der Herstellung und anschließend im Preis von Produkten aber auch in Energiekosten wie Benzin oder Gas niederschlägt.

So oder so - fest steht: Wir haben in der Vergangenheit eine Menge Umweltkosten aufgehäuft, die zunehmend zur Zahlung anstehen. Gleichzeitig müssen wir unsere eigenen, derzeit verursachten Umweltkosten selbst tragen, da diese nicht mehr in die Zukunft verschoben werden können - und dies wird sich sicher in zukünftigen Inflationsraten widerspiegeln.

Fazit

In der Summe aller Gründe - auch wenn man deren Gewichtung im Einzelnen natürlich diskutieren kann - ist ein Anstieg der Inflation durchaus wahrscheinlich. 

Da der derzeitige Null- oder gar Negativzins für sichere Kapitalanlagen (und hier ist keine Änderung in Sicht) einen einfachen Inflationsausgleich verhindert, müssen Unternehmer bei der Planung ihres Ruhestandes unbedingt auch das Thema Inflation berücksichtigen.

Dies gilt umso mehr, wenn der Ruhestand direkt vor der Tür steht oder sogar bereits begonnen hat, da ein Ausgleich von Inflationsverlusten durch Arbeitseinkommen in diesen Fällen (bald) nicht mehr möglich ist!

Maik Miehe

Maik Miehe, Vorstand der DIOMEDEA AG. Seit 30 Jahren Berater für betriebliche Versorgungssysteme sowohl für kleine und mittlere Unternehmen als auch für Konzerne und Versicherungen. Dozent für Finanzierung von Pensionssystemen an der FH Koblenz.

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