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Augen auf beim Pensionsfondskauf! (Teil 1)

In dieser kleinen Serie berichten wir über all die haarsträubenden Beratungs- und Gestaltungsfehler, die wir in der Praxis bei der Übertragung von Pensionszusagen auf einen Pensionsfonds vorfinden. Immer in der Hoffnung, dass Sie diese dadurch vermeiden können.

Unser Thema heute: Übertragung einer Rentenversicherung zur Finanzierung

Die Ausgangssituation

Eine Vielzahl von Pensionszusagen an Gesellschafter-Geschäftsführer sind in der Vergangheit auf Anraten eines Versicherungsagenten oder Maklers mit der Begründung der Steuerersparnis eingerichtet worden. Tatsächlich war es in der Mehrzahl der Fälle eher ein Vorwand, um Rückdeckungsversicherungen zu verkaufen, die bei Jahresprämien von einigen Tausend oder gar Zehntausend Euro für ordentliche Provisionen beim Vertrieb sorgten.

Klingeling, der Pensionsbeginn steht an

Erfahrungsgemäß erschöpfte sich anschließend das aktive Beratungsangebot des Vertriebs darin, immer mal wieder aufzutauchen, wenn die Rückdeckungsversicherung erhöht werden sollte (Motto: "Die gute Nachricht - wir werden alle älter. Die schlechte - darum reicht die Versicherungsleistung nicht mehr. Aber ich habe hier ein Angebot.").

Genauso sieht es kurz vor Pensionsbeginn aus. Durch die interne Auswertung der Versicherer werden die Vertriebe spätestens ein halbes Jahr vorher informiert, wenn demnächst die Auszahlung einer Rückdeckungsversicherung ansteht, Sie also bald über Geld verfügen. Das natürlich gut angelegt werden muss ...

"Wir haben da einen tollen Vorschlag…"

Mit nahezu immer der gleichen Argumentation (Bilanzbereinigung, Verkaufbarkeit des Unternehmens herstellen, Nachfolgeregelung schaffen, usw.) folgt der immer gleiche Vorschlag: Übertragen Sie Ihre Pensionsverpflichtungen doch auf einen Pensionsfonds.

Ich habe aber dafür gar kein Geld…

Ihr Vertreter wird sagen: "Das bekommen Sie doch demnächst aus Ihrer Rückdeckungsversicherung. Und nur den Rest, der fehlt, müssten Sie dann zuschießen. Oder Sie können eben nicht alles auslagern.

Sie können natürlich Ihren Vertrag auch vorher auf den Pensionsfonds übertragen. Zum Rentenbeginn wird dann die Kapitalleistung ausgezahlt und für die Rentenfinanzierung verwendet."

Aber ich habe eine Rentenversicherung…

Und genau hier liegt das Problem. Denn anstatt die Rentenversicherung zu übernehmen, um die Rentenleistungen zu nutzen, wird der Vertrag gekündigt, um anschließend das Kapital für die Rentenzahlung zu nutzen. Klingt bizarr? Ist es auch.

Hier das Szenario an einem konkreten Praxisfall

Leistungen der Rückdeckungsversicherung zum Rentenbeginn mit 65:

  • Kapitalabfindung: 429.000 €
  • alternativ garantierte, monatliche Rentenzahlung: 1.820 €

Und der Pensionsfonds, der vom Kapital der Rückdeckungsversicherung stattdessen gekauft werden soll (Einzahlung  von 429.000 € in den Pensionsfonds)

  • monatliche Garantierente: 1.420,00 €

Die unnötige Kündigung und Neuanlage hat also 400 € monatlich an Rentenleistung gekostet oder in Kapital umgerechnet 120.845 €!

Der Grund für dieses Missverhältnis ist ganz einfach. Gegenüber dem Abschlusszeitpunkt der Rückdeckungsversicherung haben sich Garantiezins und Sterblichkeit deutlich verändert! Das heißt: Jeder Euro Rente ist heute sehr viel teurer, als damals.

Ein Einzelfall? Leider nein!

Auf diesen Vorgang treffen wir immer wieder. Die Ursache auf Seiten des Vertriebs ist in einigen Fällen fehlende Sachkenntnis, meist geht es jedoch einfach um die Provisionen.

Häufig wird nur ein Versicherer vertreten und damit halt dessen Pensionsfonds. Ist dieser nicht zur Übernahme der Rentenversicherungsleistung bereit, bleibt dem Vertrieb gar nichts anderes übrig, als Ihnen die Kündigung Ihrer Rückdeckungsversicherung zu empfehlen, wenn er Geld verdienen will.

Aber auch, wenn Vertreter verschiedene Pensionsfonds anbieten können, zahlen diese in der Regel für die Übernahme von Verträgen nur höchstens die halbe Provision gegenüber der Einzahlung von Bargeld.

Warum fällt das den Kunden nicht auf?

Zum einen, weil es teilweise nur schwer erkennbar ist. So gibt es beispielsweise Kapitalversicherungen mit Verrentungsoption. Die Rentenhöhe steht aber nicht in der Leistungsübersicht im Vertrag, sondern erst weiter unten als Formel (je 1.000 € Kapital bekommen Sie garantiert xx,xx € Monatsrente).

Allerdings muss man fairerweise auch sagen, dass sich viele Unternehmer auch nicht ausreichend um diese Fragen kümmern.

Also bitte…

Schauen Sie bei solchen Angeboten genau hin (teilweise werden diese auch schon deutlich vor Rentenbeginn gemacht) und prüfen Sie die Wirtschaftlichkeit des Angebots!

 

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Maik Miehe

Maik Miehe, Vorstand der DIOMEDEA AG. Seit 30 Jahren Berater für betriebliche Versorgungssysteme sowohl für kleine und mittlere Unternehmen als auch für Konzerne und Versicherungen. Dozent für Finanzierung von Pensionssystemen an der FH Koblenz.

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