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Die "Rentner-GmbH": Eine echte Alternative bei    Problemen mit der Pensionszusage?

Wenn Sie nach Lösungen für Probleme mit Ihrer Pensionszusage suchen, treffen Sie unvermeidlich auf zwei konventionelle Denkschulen. Entweder man ist gedanklich „irgendwo bei Versicherungen“, man denkt also an die Übertragung auf einen Pensionsfonds, eine Liquiditäts-Direktversicherung, eine Unterstützungskasse oder ähnliches.

Der andere Ansatz geht in Richtung einer Abfindung oder eines Verzichts, wobei hier die Entschädigung über die Werterhöhung Ihrer Unternehmensanteile erfolgen soll.

Das sagt mir alles nicht zu

Die Palette der Einwände ist groß und weit gestreut. Die versicherungsförmigen Angebote sind zu teuer, die Vertriebs- und Verwaltungskosten zu hoch, die Anlage ist zu unflexibel, Sie brauchen eine lebenslange Rente und kein Einmalkapital, die steuerlichen Auswirkungen gefallen Ihnen nicht, Sie möchten das Restkapital nach Ihrem Tod vererben, und und und...

Alternative: Rentner-GmbH

Wenn es Ihnen auch so geht, sollten Sie als Alternative die Rentner-GmbH in Ihre Überlegungen mit einbeziehen. Stark vereinfacht handelt es sich dabei um ein Unternehmen, das Ihnen gehört und ausschließlich Ihr Pensionsvermögen anlegt und ab Rentenbeginn Ihre Pensionen an Sie auszahlt.

Dabei haben Sie bei der Kapitalanlage völlig freie Hand. Sie können in Immobilien investieren, Aktien kaufen oder warten, bis sich die Zinsen wieder erholen. Oder Sie machen es wie einer meiner Mandanten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Dieser hat alle Rückdeckungsversicherungen verkauft und hiervon wiederum Anteile an einer Hühnerfarm gekauft, mit der Begründung: „Wenn alles schief geht, habe ich wenigstens was zu essen“.

Sie sind also Herr über das Verfahren, bestimmen ganz allein was die Verwaltung kostet und nach Ihrem Tod fließt das Restkapital Ihren Erben zu. Im Grunde haben Sie mit der Rentner-GmbH Ihren eigenen kleinen Pensionsfonds.

Geht das für jeden?

Nein, dieses Instrument ist ausschließlich für Unternehmer einsetzbar. Bei Arbeitnehmern beschränken die Regelungen des Betriebsrentengesetzes und Vetomöglichkeiten des Pensionssicherungsvereins diesen Weg - zumindest, wenn die Pensionen nicht beim ursprünglichen Unternehmen verbleiben.

Ob Sie Unternehmer sind, hängt dabei nicht davon ab, ob Sie sich als ein solcher fühlen, sondern wie Sie arbeitsrechtlich einzustufen sind. Sobald Sie weniger als 50 % der Anteile des Unternehmens halten, sollten Sie dies prüfen.

Woher kriege ich eine Rentner-GmbH?

Das ist relativ einfach, Sie haben eine Reihe von Möglichkeiten:

  • Eigene GmbH verwenden:

Wenn Sie Ihr Unternehmen zum Pensionsbeginn nicht verkaufen können, behalten Sie es einfach. Geben Sie den aktiven Geschäftsbetrieb auf, verkaufen Sie alle Betriebsmittel, die Sie nicht mehr brauchen (Fahrzeuge, Maschinen, etc.) und mit etwas Glück auch noch Ihren Kundenbestand. Anschließend begleichen Sie alle offenen Verbindlichkeiten und überlegen sich eine Anlagestrategie für Ihre Pensionsgelder und fertig ist Ihre Rentner-GmbH.

  • Umwidmen eines Tochterunternehmens:

In der Praxis gibt es oft aus Abgrenzungs- oder steuerlichen Gründen Tochter- oder Schwestergesellschaften, die später teilweise nicht mehr gebraucht werden. Widmen Sie eines dieser Unternehmen in eine Rentner-GmbH um. Stellen Sie sicher, dass keine Altverbindlichkeiten oder Haftungsfälle auftreten können und bereinigen Sie gegebenenfalls die Gesellschafterstruktur, denn Ihre Rentner-GmbH sollte schon allein Ihnen gehören! Anschließend übertragen Sie die Pensionsverpflichtung und das Pensionsvermögen hierher und schon kann es losgehen.

  • Neugründung:

Auch eine Neugründung ist natürlich möglich. Der Vorteil liegt hier klar auf der Hand: Es gibt keinerlei Altrisiken. Sie können also Pensionszusage und -vermögen risikolos hierher übertragen und loslegen. 

  • Kauf einer GmbH:

Auch der Kauf einer bestehenden GmbH mit anschließender Umwidmung in eine Rentner-GmbH und Übertragung von Pensionszusage und -vermögen ist möglich. Ob das wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab, ggf. verfügt die GmbH über nutzbare Verlustvorträge, die die Übertragung günstiger machen kann. Auch beim Kauf ist in jedem Fall zu prüfen, ob Altrisiken bestehen.

Gibt es bei der Übertragung meiner Pension keine Probleme?

Falls Sie Ihre Pensionszusage auf eine gekaufte oder neu gegründete GmbH übertragen müssen, sind einige Rahmenbedingungen einzuhalten, grundsätzlich ist es aber machbar. Da es hier den Rahmen sprengen würde, können Sie bei Interesse den zugehörigen Blogartikel lesen.

Lesen Sie hier mehr über die Übertragung von Pensionszusagen

Kann ich die Rentner-GmbH auch mit anderen zusammen führen?

Idealerweise sollten Sie das vermeiden. Nur eine Einzellösung sichert klare Entscheidungen zur Vermögensanlage, Erbregelung, usw.

Nur wenn Sie sich absolut sicher sind, dass später kein Streit aufkommt, sollten Sie darüber nachdenken. Falls Sie diesen Weg tatsächlich beschreiten wollen, klären Sie um Himmels willen VORHER ALLE Fragen und halten Sie diese schriftlich fest! 

Der Vorteil einer solchen Konstruktion liegt in der Chance des biometrischen Ausgleichs. Der früher Versterbende finanziert vielleicht den länger Lebenden mit. Allerdings ist das auch bei 2, 3, 4 Personen eher eine Wette - statistisch ist die Anzahl viel zu klein!

Mehr als 2 bis 3 Personen so zusammenzufassen, ist auch aus einem anderen Blickwinkel gesehen riskant. Sie sollten es tunlichst vermeiden, als Versicherer eingestuft zu werden. Hierfür bräuchten Sie nämlich eine Zulassung und müssten entsprechendes Sicherungskapital vorhalten.

"Wo kein Kläger, da kein Richter" ist hier ausdrücklich auch keine gute Strategie. Verstöße gegen die gesetzlichen Auflagen bringen Sie ganz schnell mit dem Strafrecht in Kontakt und mit 80 will ja auch keiner mehr ins Gefängnis.

Also am besten Sie bleiben bei der Ein-Rentner Variante!

Kann eine Rentner-GmbH insolvent werden?

Hier muss man trennen in eine wirtschaftliche und eine rechtliche Betrachtungsweise. Wirtschaftlich ist die Sache einfach: Ist das Geld aufgebraucht und Sie leben noch, endet Ihre Rentenzahlung!

Das ist auch der erste große Nachteil des Modells: Sie haben keine lebenslange Versorgungssicherheit. Diese lässt sich nur herstellen, indem Sie die Rentner-GmbH von Beginn an finanziell ausreichend ausstatten und/oder gute Anlagerenditen erzielen (z. B. eine Immobilie, deren Mietertrag Ihre Rente deckt) oder aber rechtzeitig versterben!

Und rechtlich? Hier ist die Situation etwas komplexer. Falls Sie Ihre Rentner-GmbH anfangs nur mit Mitteln in Höhe der handelsbilanziellen Rückstellungen ausstatten (übrigens der Standardfall), kommt es bald zu einer Überschuldung.

Der Grund hierfür ist ziemlich einfach. Das Pensionsvermögen schmilzt durch die laufenden Rentenzahlungen schneller ab, als die Rückstellungen aufgelöst werden, es sei denn, Sie schaffen es die Differenz durch Anlageerträge auszugleichen.

Damit ist Ihre Rentner-GmbH eigentlich bald insolvent. Andererseits gibt es keinen anderen Gläubiger als Sie selbst - Sie schädigen also niemanden. Genau aus diesem Grund gilt für die Rentner-GmbH die eiserne Regel: KEINE KREDITE!

Die oben dargestellte Zahlungsunfähigkeit ist insolvenzrechtlich gar kein Problem. Wenn es soweit ist, verzichten Sie auf alle Rentenansprüche und die GmbH kann verpflichtungsfrei liquidiert werden. Da Ihr Verzicht dann eindeutig nicht mehr werthaltig ist, resultieren hieraus noch nicht einmal steuerliche Probleme!

Wie sind eigentlich die steuerlichen Effekte?

Die steuerliche Situation ist der zweite große Nachteil der Rentner-GmbH, da mittlerweile ein guter Teil der steuerlichen Vorteile der Pensionszusage in die Zeit der Rentenzahlung fällt.

Einfach ausgedrückt ist die steuerliche Wirkung der Rentenauszahlung (Gewinnminderung) deutlich höher als die Auflösung der Steuerrückstellungen (Gewinnerhöhung). Es entsteht somit jedes Jahr ein steuerlicher Verlust.

Aktive Unternehmen können diese Differenz nutzen und damit weniger Steuern auf Ihre Gewinne zahlen. Sie können dies nur dann, wenn es Ihnen gelingt, entsprechend hohe Anlageerträge zu generieren. Das ist aktuell (2018) zumindest mit sicheren Anlagen eher schwierig.


Fazit

Die Rentner-GmbH ist ein durchaus interessantes Modell, wenn Ihnen die konventionellen Angebote oder Lösungen nicht zusagen.

Allerdings ist sie auch nicht ganz einfach in der Handhabung und hat mit fehlender Versorgungssicherheit und ungenutzten Steuereffekten auch zwei große Nachteile.

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Maik Miehe

Maik Miehe, Vorstand der DIOMEDEA AG. Seit 30 Jahren Berater für betriebliche Versorgungssysteme sowohl für kleine und mittlere Unternehmen als auch für Konzerne und Versicherungen. Dozent für Finanzierung von Pensionssystemen an der FH Koblenz.

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