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Hilft Gold wirklich gegen Inflation?

Was hilft gegen Inflation? Wen Sie auch fragen, in 110% der Fälle lautet die Antwort: Gold. Und das weltweit.

Aber stimmt das wirklich? Oder entscheiden hier Reflexe und Bauchgefühl statt Fakten?

Und woher kommt eigentlich die Überzeugung von Gold als Inflationsretter?

Wenn an der Hypothese, dass Gold gegen Inflation hilft, etwas dran sein soll, dann hätte es ja schon mindestens einmal gegen Inflation helfen müssen.

Also auf in die Geschichte!

 

Gold als Auslöser einer Inflation?

Leider zeigt gleich die erste Geschichten zu Gold und Inflation das genaue Gegenteil: 

Auf seiner Pilgerfahrt nach Mekka sorgte Mansa Musa von Mali, der bis heute wohl reichste Mensch der Welt (nach heutigen Maßstäben war er 400 Mrd. $ schwer und hängt damit Bezos, Musk & Co. deutlich ab) für eine derartige Goldschwemme, dass z.B. der Basar von Kairo 12 Jahre benötigte, um sich von der damit verbundenen Inflation zu erholen.

Die nächste dokumentierte und schwere Inflation wurde ebenfalls durch Gold (und Silber) hervorgerufen. Diesmal durch die Spanier, die nach der Entdeckung Amerikas die Gold- und Silberminen in Peru und Mexiko plünderten und jedes Jahr hunderte Tonnen Edelmetalle mit der sogenannten Schatzflotte nach Europa brachten.

Die Folge: Im 16.Jahrhundert stiegen die Preise auf das 4- bis 10-fache an - eigentlich logisch, denn es gab schlicht nicht mehr Waren auf der anderen Seite der Rechnung! 

Auch im 17. und 18. Jahrhundert kam es zu Inflationsentwicklungen, insbesondere in Verbindung mit der Finanzierung der vielen Kriege innerhalb Europas.

Aber diesmal war Gold der sichere Hafen, oder? Nein eigentlich auch nicht, denn die Preise stiegen auch hier. Es mussten also mehr Goldmünzen für die gleiche Ware gezahlt werden. Gleichzeitig wurde reines Gold immer wertvoller.

 

Irgendetwas funktioniert hier nicht...

Das haben Sie richtig erkannt.

Zunächst die Erklärung zu oben: Die damalige Teuerung (Inflation) basierte schlicht auf der Verringerung des Goldanteils des sich in Umlauf befindlichen Geldes.

Bestanden z.B. Dukaten anfangs noch aus - sagen wir einmal - 750er Gold (18 Karat), wurde diesem stückweise anderes Metall beigemischt und so die Qualität über 585er Gold (14 Karat) und schließlich  auf 375er Gold (9 Karat) verringert. Eigentlich logisch, dass man zu diesem Zeitpunkt zwei Dukaten aus 375er Gold im Tausch für einen Dukaten aus 750er Gold verlangte.

So setzte sich die Geldentwicklung fort, bis hin zur Entwicklung des Papiergeldes. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das Geld in sich wertlos und stand lediglich für ein Bezugsrecht auf eine bestimmte Goldmenge. 

 

Wenn Gold zum Geld wird

Das Problem: Sobald Gold wieder zum Geld - also konkret zum alltäglichen Zahlungsmittel - wird, lässt sich nicht mehr messen, wie sich die Entwicklung der Verbraucherpreise einer bestimmten Währung zum Goldwert verhalten. 

Auch während der Hyperinflation 1923 war das der Fall. Wären die Arbeiter damals in Goldmark bezahlt worden, hätten sie kaum etwas von der Inflation gemerkt. Stattdessen wurden sie aber mit Bezugsrechten auf Goldmark (Scheine, die sie aber wiederum nicht einlösen konnten) bezahlt. Dieses Bezugsrecht verschlechterte sich willkürlich immer weiter, auch für die bereits ausgegebenen Scheine...

Dieses System wurde mehrfach renoviert. Zuletzt mit dem Abkommen von Bretton Woods von 1944, in dem ein fester Wechselkurs Gold/US-Dollar (1 Feinunze = 35 USD) vereinbart wurde. Der Dollar wurde damit zur internationalen Leitwährung.

Aufgegeben wurde dieses System im Jahr 1971, nachdem - trotz mehrfacher, internationaler Stützung durch alle wichtigen Industrieländer (Stichwort: Londoner Goldpool) - die vorhandene Goldmenge einfach nicht mehr ausreichte, um mit dem fixen Wechselkurs die notwendige Liquidität für die Weltwirtschaft bereitzustellen.

Kurzum: Die bestehende Goldmenge konnte mit dem steten Wachstum der Weltbevölkerung und der Warenmengen einfach nicht mehr Schritt halten, um weiter als Geld zu fungieren.

 

1972: Ab jetzt gibt es echtes Geld!

Nun können wir endlich die Hypothese zur vermeintlichen Inflationssicherheit des Goldes prüfen. Die Frage ist nur, welche Werte sich zur Gegenüberstellung eignen.  

Wenn wir hier nicht in eine 700-seitige Doktorarbeit abdriften möchten, müssen wir uns zunächst auf einen relativ einfachen Wertevergleich einigen, der eine Vielzahl von Einflussfaktoren ignoriert.

Hierzu bietet sich - schließlich geht es in unseren Blogs immer um die Anlage von Altersversorgungsgeldern - die Entwicklung der LeDaher nehmenbenshaltungskosten im Verhältnis zur Entwicklung des Goldpreises an.

Die umfangreiche Umrechnung von zunächst US-Dollar in D-Mark und anschließend von US-Dollar in Euro (Gold wird in USD gefixt) möchten wir uns an dieser Stelle sparen. Die Wechselkursveränderungen würden darüber hinaus sowieso die Ergebnisse verfälschen.  Daher nehmen wir als Vergleichswert einfach die US-Lebenshaltungskosten.

 

Sind Goldpreis und Inflation miteinander verwandt?

Wenn alles gut läuft, müssten beide Entwicklungen ziemlich parallel verlaufen. Wenn also die Inflation steigt, stiege auch der Goldpreis.

 

Hier ein etwas kürzerer Zeitraum, um die tatsächlichen Werte etwas besser sichtbar zu machen:

 

Nach dieser Betrachtung haben Goldpreis und Inflation allerdings wenig miteinander zu tun. Eine Kausalität kann weder davon abgeleitet werden, dass die Goldpreisentwicklung der Inflationsentwicklung folgt, noch, dass der Goldpreis der Inflation voraus geht. Letzteres wäre zu vermuten, wenn die Menschen eine steigende Inflation erwarten und aus diesem Grund vermehrt Gold kaufen.

 

Schützt Gold denn wenigstens vor Inflation?

Das lässt sich relativ leicht feststellen, indem man den Verbraucherpreis und den Goldpreis 1972 auf 100 US-Dollar festsetzt und die jährlichen Veränderungsraten überträgt:

Das Ergebnis: Es kommt drauf an.

Im Verhältnis von 1972 zu heute wären Sie gut gefahren, von 1980 bis in die 2000er hätte es eine Katastrophe für Ihr Vermögen bedeutet! 

 

Was ist Gold nun wirklich wert?

Zunächst muss man einmal feststellen, dass Gold keine wirkliche Bemessungsgrundlage hat. Bei Aktien kann ich den Unternehmensgewinn zur Bewertung heranziehen, bei Immobilien den Mietwert, und so weiter...

Gold ist einfach nur "da". Es produziert nichts, man kann es nicht essen und sein einziger wirklicher Nutzen besteht in seinem Einsatz als Industriemetall.

Da es hervorragende elektrische Leitfähigkeit hat und sehr beständig ist, wird es gern bei Steckverbindungen, Leiterplatten u. ä. eingesetzt. Es war auch in der Zahnmedizin als Zahnersatz oder Implantat sehr gut zu verwenden, wurde aber mittlerweile durch lichthärtende Kunststoffe ersetzt. Das meiste Gold wird in Schmuck verarbeitet - auch nichts, was zwingend lebensnotwendig ist.

Der Preis wird also allein durch seine Rarität (obwohl auch diese relativ ist - Palladium und Rhodium gibt es z.B. deutlich weniger) und seine psychologische Einordnung als wertvolles Metall bestimmt. 

Sein Preis ist also im Grunde reine Fiktion, getrieben durch den Glauben und die Spekulation von Investoren (gut erkennbar an den heftigen Schwankungen - siehe Grafiken oben) und oft beeinflusst durch Käufe oder Verkäufe von Zentralbanken, die nach wie vor die größten Goldbesitzer sind.

 

Gold als Zahlungsmittel in der Krise

"Wenn aber einmal alles zusammenbricht, dann ist es doch sicher gut, Gold zu haben!?"

Wenn man dieser Hypothese folgt, müsste man zuallererst einmal das Gold wirklich besitzen - die Beimengung in einem Depot hilft da beispielsweise nicht, denn da kommen Sie im Katastrophenfall nämlich gar nicht ran! Darüber hinaus heißt das: Sie müssen es auch sichern! Jetzt wurde Ihre Wohnung nämlich gerade hochinteressant für Einbrecher.

Ab zur Bank damit, ins Schließfach? Das kostet zusätzlich für Schließfach und Versicherung. Und ob Sie da im absoluten Krisenfall noch immer wirklich drankommen, ist eine andere Frage.

Aber lassen wir das einmal außen vor. Es gibt nämlich ein viel wichtigeres Problem:

Es gibt einfach viel zu wenig Gold dafür. 

Das gesamte bisher geförderte Gold bildet einen Würfel mit einer Kantenlänge von jeweils 21m! Stellen Sie sich ein typisches Grundstück mit Einfamilienhaus in der Großstadt vor. Das hat oft so um die 400 qm, also 20m x 20m Grundfläche. Jetzt denken Sie sich einen Würfel mit erneut der selben Höhe - und da haben Sie es!

Das Gold hat bereits 1972 nicht mehr gereicht, als der Goldstandard als Zahlungsmittel genau aufgrund zu wenig vorhandenen Goldes aufgegeben wurde. Seitdem hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt und Nationen wie China sind von einem Staat mit armen Reisbauern zur globalen Wirtschaftsmacht aufgestiegen.

Würde man also Gold wieder als Zahlungsmittel einsetzen, würde es einen astronomischem Wert pro Gramm haben. Hinzu kommt, dass Sie in einer Krise schlecht 3 mg Gold mit einer Feile von Ihrem Krügerrand raspeln können...

 

Fazit

Gold hat keine wirkliche Beziehung zur Inflationsentwicklung. Es schützte zwar in der Vergangenheit vor manchen Inflationsentwicklungen, zu anderen Zeiten tat es jedoch das genaue Gegenteil und hat auch bereits selbst veritable Inflationen ausgelöst.

Eine Rückkehr zur Goldwährung ist völlig ausgeschlossen und Gold würde auch als Zahlungsmittel in absoluten Krisenzeiten kaum funktionieren. Notiz am Rande: Die echten "Prepper" horten daher auch kein Gold, sondern versuchen sich unabhängig in der Versorgung von Nahrung, Wasser, Strom, etc. zu machen.

Da Gold auch keinen echten intrinsischen, also eigenen Wert hat, ist sein Preis vor allem psychologisch begründet.

Dennoch hat es über eine lange Zeit eine gute Preisentwicklung gezeigt. Allerdings brachte diese auch extreme Schwankungen mit sich. Insoweit ist auch eine Beimengung zu einem Depot, das Pensionsvermögen gegen Inflation schützen soll, nicht wirklich empfehlenswert, sondern eher eine Sache für das "gute Gefühl".

 

Lesen Sie hier: Wogegen Gold wirklich hilft! 

 

Maik Miehe

Maik Miehe, Vorstand der DIOMEDEA AG. Seit 30 Jahren Berater für betriebliche Versorgungssysteme sowohl für kleine und mittlere Unternehmen als auch für Konzerne und Versicherungen. Dozent für Finanzierung von Pensionssystemen an der FH Koblenz.

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