+49 (0)30/ 52 00 300 diomedea@diomedea.biz

Blog Unternehmer & Pension

Das wichtigste zuerst..

Unsere letzten Beiträge

Warum Sie heute KEINE Renten-/ Anleihen(fonds) im Depot haben sollten!

Lange Zeit galt für Anleger, die Rendite und Sicherheit wollten - also z.B. für Unternehmer, die für ihre Altersversorgung vorsorgen wollten - die einfache Formel: Eine Hälfte Aktien und die andere Hälfte Anleihen - dann passt es.

Die Idee dahinter war, dass die Anleihen das Gesamtdepot mit einer Grundrendite stabilisieren sollten und zudem wenn nötig Liquidität bereitstellen konnten, ohne die Aktien in ungünstigen Phasen verkaufen zu müssen. Die Aktien wiederum sorgten dann für die Rendite.

Das hat auch lange gut funktioniert - vorausgesetzt natürlich man hat sich sowohl bei den Aktien als auch den Anleihen Qualität ins Depot gelegt.

Vorsicht vor Renten-/ Anleihen(fonds)!

Diese Situation hat sich drastisch geändert, vor allem bei der Anlage von Ruhestandsgeldern für Unternehmer.

Mittlerweile sind Anleihen nämlich vom Stabilisator zum Risikotreiber in Depots geworden und die Grundrendite ist auch passé, es sei denn man erhöht das Risiko noch einmal deutlich.

Aber der Reihe nach. Schauen wir uns zuerst noch einmal kurz an, wie Anleihen überhaupt funktionieren.

Anleihen - Was ist das eigentlich?

Anleihen nennt man oft auch Rentenpapiere, da sie wiederkehrende Zahlungen leisten. Daher stammt auch der Begriff "Rentenfonds" für viele Anleihefonds.

Anleihen sind im Grunde Schuldscheine über einen bestimmten Betrag in einer bestimmten Währung (z.B. 100 €) mit einem festen Zins (Coupon z.B. 3 € p.a.) und einer festen Laufzeit (meist 5, 10 oder 30 Jahre), nach der der ursprünglich geliehene Betrag zurückgezahlt wird und zwar an denjenigen der den Schuldschein vorlegt (Inhaber). 

Anleihen werden vor allem von Staaten, Organisationen und Unternehmen ausgegeben (sog. Emittenten), um ihre Ausgabendefizite zu decken (öffentliche Hand) oder um Investitionen zu finanzieren (Unternehmen) und können von jedermann erworben werden - also auch Sie können direkt Anleihen z.B. der Bundesrepublik Deutschland kaufen.

Der Zins, den die Emittenten zahlen müssen, um sich Geld zu leihen, hängt dabei vor allem von drei Faktoren ab:

  • Wie viel Geld ist auf dem Markt und sucht nach einer Zinsanlage (Marktzinsniveau)?
  • Wie wird die Sicherheit der Währung, in der die Anleihe ausgegeben wird, gegen Inflation bewertet? 
  • Wie sicher ist die Zins- und vor allem Rückzahlung am Ende der Laufzeit (Bonität)?

Wie wichtig die Bonität des Emittenten ist, zeigt ein einfacher Vergleich der Renditen von Staatsanleihen. Im Februar 2021 lag die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen bei -0,3 %! Für türkische Anleihen hingegen bei rund 7 %.

Die umgekehrte Logik von Anleihewert und Rendite

Stellt man die Frage: Was passiert mit dem Wert meines Renten-/Anleihefonds, wenn die Zinsen steigen?, antworten neun von zehn Befragten: Ist doch klar, der steigt auch!

Das genaue Gegenteil ist aber der Fall: Der Wert sinkt!

Warum? 

Nehmen Sie an, Sie besitzen eine deutsche Staatsanleihe, die 100 € Nennwert hat und jedes Jahr 1 € (1%) Zinsen an Sie ausschüttet. Jetzt steigt der Marktzins auf z.B. 2% und Deutschland gibt neue Anleihen mit 2€ (2%) Verzinsung aus.

Jetzt brauchen Sie dringend Ihre 100€, aber der Rückgabetermin Ihrer Anleihe liegt erst in 5 Jahren. Sie wollen Ihre Anleihe also am Markt verkaufen.

Warum sollte ich Ihnen 100€ für Ihre Anleihe zahlen? Ihre bringt mir nur 1€ Zinsen, für das gleiche Geld  bekomme ich aber Anleihen mit 2€ Zinsen - bei gleicher Sicherheit!

Was passiert? Richtig. Ich zahle Ihnen nur so viel für Ihre Anleihe, dass ich insgesamt auch bei Ihrem Papier 2% Rendite bekomme - also z.B. nur 95 €.

Der Wert Ihrer Anleihe sinkt also automatisch, sobald der Marktzins steigt und umgekehrt.

Aber Renten-/ Anleihefonds haben doch in den letzten Jahren gut rentiert!

Vorab: Es gibt natürlich Rentenfonds, die mit dem aktiven Handel und/oder riskanteren Anleihen (z.B. türkischen) oder sogar hochriskanten Anleihen von Unternehmen (sog. High Yields) und Hedge Instrumenten wie Optionen oder Swaps, abgerundet mit Währungsschwankungen, gute oder sogar sehr gute Renditen erwirtschaftet haben und das vielleicht auch weiterhin tun werden.

Hier geht es aber ausschließlich um Fonds mit Anleihen von Schuldnern (Staaten, Unternehmen) mit hoher Bonität, schließlich sprechen wir über die Anlage von Ruhestandsgeldern. 

Und hier resultiert die gute Rendite in den letzten Jahren (fast) ausschließlich aus der umgekehrten Zins-/ Wertlogik. Die Fonds hatten also schlicht Anleihen im Portfolio, die noch höher verzinst waren. Mit sinkendem Marktzins wurden sie entsprechend mehr Wert. Voilà - eine positive Rendite!

Ein Blick in die Zukunft

Viel spannender ist es doch, einen Blick in die Zukunft zu werfen und sich damit zu beschäftigen, wie die Ertragsaussichten und das Risiko bei Staats- und Unternehmensanleihen erstklassiger Schuldner, ausgegeben in Euro, aussehen.

Dabei muss man unterscheiden zwischen Rentenfonds und dem direkten Kauf von Anleihen, die man bis zum Ablauftermin halten und dann direkt einlösen will.

Ein Blick in die Zukunft lässt sich sinnvoll nur mithilfe verschiedener Szenarios tun, bei denen wir die Entwicklungen für die beiden Hauptfaktoren - Inflation und Zinsentwicklung - simulieren.

Suchen Sie sich einfach das Szenario aus, das Ihnen am Wahrscheinlichsten erscheint:

Szenario 0 - Alles sinkt.

Ich habe diese Bezeichnung ganz bewusst gewählt. Das Renditeniveau bei zehnjährigen Anleihen liegt sowohl bei Staats- als auch bei Unternehmensanleihen mit hoher Bonität bereits heute nahe oder sogar unter 0. Mir fehlt hier leider die Fantasie, wie dieser Wert noch weiter sinken könnte.

Eine wirkliche Betrachtung dieses Szenarios macht also kaum Sinn, aber theoretisieren wir trotzdem einmal: 

All diejenigen, die noch alte, langlaufende Anleihen mit einer Rendite von mehr als 0% haben, können diese natürlich getrost weiterlaufen lassen. Bei einer Inflationsrate unter 1,5% könnten diese sogar eine positive Nettorendite erzielen. 

Die Neuanschaffung von Anleihen oder Rentenfonds hätte in diesem Szenario noch eine gewisse Restchance auf Rendite - allerdings nur durch steigende Kurse, da die Grundausstattung an Zinsen halt einfach 0 ist. 

Selbst, wenn man wirklich an dieses Szenario glaubt, ist das beste zu erzielende Ergebnis lediglich, dass man damit besser fährt, als wenn man sein Geld mit Strafzinsen zu Bank gebracht hätte. 

Szenario 1 - Alles bleibt, wie es ist.

Soll heißen: Mittelfristig (für 5 - 10 Jahre) ändert sich weder beim Zinsniveau, noch bei der "normalen" Inflation (etwa 1,5% p.a.) etwas. Zumindest hinsichtlich der Zinsen hat dieses Szenario unserer Einschätzung nach gute Chancen innerhalb der kommenden 4 - 5 Jahre einzutreten. Was die Inflation betrifft, sind wir jedoch leider nicht so optimistisch.

Bereits vorhandene Anleihen mit zumindest einer geringen Rendite könnten in diesem Szenario gehalten werden. Das spart Strafzinsen, die es bei Bankeinlagen (bestenfalls) gäbe und vermindert die Geldentwertung durch die Inflation zumindest in Teilen (oder gleicht sie sogar aus, wenn die Rendite bei 1,5% oder höher liegt). 

Der Neukauf von Anleihen macht jedoch keinen Sinn, da die Grundausstattung an Zinsen bei 0 oder sogar im negativen Bereich liegt. In Verbindung mit dem potentiellen Verlustrisiko, falls die Zinsen doch steigen, ist die Anlage des Geldes bei der Bank selbst (unter Inkaufnahme von Strafzinsen) definitiv die bessere Idee.

Die Neuanschaffung eines Rentenfonds macht ebenfalls wenig Sinn. Nur, wenn Sie davon ausgehen, dass der Fondsmanager es schafft, durch den aktiven Handel mit Anleihen einen Ertrag zu generieren, der nach Abzug seiner laufenden Kosten deutlich höher als 0 ist, wäre diese Option erwägenswert.

Szenario 2 - Das Zinsniveau bleibt, die Inflation steigt.

Wenn Sie - wie auch wir - von diesem Szenario ausgehen, dann sollten Sie unter keinen Umständen Anleihen oder Rentenfonds kaufen.

Die Grundrendite von 0% hilft Ihnen in keiner Weise, um die Kaufkraftverluste durch die Inflation zu vermindern oder gar zu vermeiden.

Wenn die Inflation zu sehr steigt, ist eine Anhebung der Zinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) eine der wenigen Möglichkeiten, um dem gegenzusteuern. Damit sind Verluste bei den Anleihen(-fonds) vorprogrammiert!

Bereits vorhandene Anleihen sollten nur dann gehalten werden, wenn sie nicht mehr alltzulange laufen (max. 2-3 Jahre) und die Rendite wenigstens in der Nähe der Inflation liegt.

 

Szenario 3 - Zinsniveau und Inflation steigen.

Die EZB wird aus einer Vielzahl von Gründen versuchen, die Zinsen so lange wie möglich niedrig zu halten. Unserer Auffassung nach kann eigentlich nur eine aufkommende oder sich abzeichnende signifikante Inflation die EZB dazu bringen, die Zinsen zu erhöhen.

Dieses Szenario (und die Schlussfolgerungen daraus) sind somit identisch mit Szenario 2, nur dass hier eine Zinserhöhung bereits erfolgt ist.

Man könnte zwar argumentieren, dass wenn das Zinsniveau schon gestiegen ist, es auch schon eine gewisse Grundverzinsung bei den Anleihen gäbe, also einen guten Investitionsgrund.

Da aber niemand einschätzen kann, wie hoch Inflation und Zinsen steigen und wann es zu einer Trendumkehr kommt, würden wir von solchen Überlegungen Abstand nehmen, wenn nicht mindestens ein halbes (oder besser ein ganzes) Jahr Inflation und Zinsen zumindest stagnieren.

Fazit

Die alte 50/50-Regel von Anleihen und Aktien hat aktuell eindeutig ihre Gültigkeit verloren.

Die Anlage von Geldern zur Finanzierung von Unternehmerrenten in Form von Anleihen oder Renten-/Anleihefonds sollten in einem Umfeld, in dem bereits Null- oder gar Negativzinsen erreicht wurden (und bei Zinsen und Inflation generell wenig Spielraum nach unten aber ein deutliches Risiko nach oben besteht) unbedingt vermieden werden.

Eine Ausnahme können lediglich bereits gekaufte Anleihen darstellen. Vor allem dann, wenn sie halbwegs gut verzinst sind und möglichst nicht mehr sehr lange laufen.

Nur wenn Sie bereit sind, ein Risiko mindestens in Höhe eines Aktieninvestments einzugehen, können Sie mit einem Fonds, der Anleihen verschiedener mittlerer und schwacher Bonitäten, verschiedener Währungen breit diversifiziert und ggf. auch noch Derivate zur Sicherung einsetzt, echte Renditen generieren. 

Maik Miehe

Maik Miehe, Vorstand der DIOMEDEA AG. Seit 30 Jahren Berater für betriebliche Versorgungssysteme sowohl für kleine und mittlere Unternehmen als auch für Konzerne und Versicherungen. Dozent für Finanzierung von Pensionssystemen an der FH Koblenz.

Kommentare: